Zwielicht X

Das Horror-Magazin „Zwielicht“ ist in seiner zehnten Auflage erschienen. Auch dieses Mal ist das Magazin ein ausgewachsenes Buch mit elf Kurzgeschichten, einem Vorwort, fünf Artikeln und Informationen über die Autoren.

Kurzgeschichten

Da die Kurzgeschichten den Hauptteil von „Zwielicht X“ ausmachen, soll auf diese näher eingegangen werden. Bis auf zwei sind alle Geschichten nicht länger als etwa zwanzig Seiten, was die Anthologie ideal macht, um am Abend kurz vor dem Schlafengehen oder an einem verregneten Sonntag auf der Couch noch schnell eine Geschichte zu lesen.

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Auffällig ist die teilweise unoriginelle Titelgestaltung bei drei Storys: Aileen, Mona, Isabelle. Dagegen sticht „Bemerkenswerter Bericht, welcher beschreibt, wie der ehrwürdige Bruder Michael gegen alle Widerstände der Welt seinen Seelenfrieden in einem Beinhaus fand“ erfrischend hervor und erhält von mir die Auszeichnung „Titel des Jahres“ 🙂

Nun zu den Geschichten im Einzelnen:

  • Die Messe für das besondere Buch von Michael Siefener – ★★★★
    Klassischer Horror, bei dem im Stile von Lovecraft oder Poe der Bericht eines Verstorbenen gefunden wird und dessen Schicksal langsam ans Tageslicht kommt.


  • Für immer Helena von Julia Annina Jorges – ★★★★
    Geschichte einer nicht alternden Frau mit einem überraschenden Ende.


  • Aileen von Algernon Blackwood – ★★★
    Klassische Horrorgeschichte über ein Kind, dass eine übersinnliche Erfahrung macht. Stimmungsvoll, aber  auch ein wenig langatmig.


  • Insel der Glückseligen von Paul Sanker – ★★★
    Sehr kurz; beginnt sehr interessant mit einem abgefahrenen Setting und man fragt sich, was wohl hinter all den Merkwürdigkeiten steckt. Es findet aber keine Auflösung statt, was sehr schade ist, und die Geschichte entpuppt sich lediglich als Vehikel für eine Moral.


  • Mona von Christian Künne – ★★★★
    Eine Reihe von recht explizit beschriebenen Mordszenen, die in einer Auflösung münden, die recht offen ist und die man deshalb mehrfach lesen muss, um eine Idee zu bekommen, um was im Vorfeld der Story geschehen ist.


  • Auferstehungspunkte von Usman T. Malik – ★★★
    Ein mit Bildern überladener Text, bei dem man bis zum Ende darauf warten muss, dass die ständig angedeutete Kraft des Protagonisten endlich in voller Blüte zu Vorschein kommt.


  • Bemerkenswerter Bericht, welcher beschreibt, wie der ehrwürdige Bruder Michael gegen alle Widerstände der Welt seinen Seelenfrieden in einem Beinhaus fand von Michael Tillmann – ★★★★
    Klassiche Gruselgeschichte mit einer interessanten Grundidee, in der ein Mönch zwanghaft zwischen Knochen leben will. Leider mit vielen Fehlern.


  • Vielleicht ein Traum von Ray Bradbury – ★★★★
    Rasant geschriebene Geschichte über einen gestrandeten Raumfahrer, der in bester Freddy-Krueger-Manier heimgesucht wird, wenn er einschläft.


  • Isabelle von Sascha Dinse – ★★★★★
    Recht blutige Geschichte mit vielen wirren Sprüngen, die aber offensichtlich zum Konzept gehören. Belohnt mit überraschendem Ende.


  • Die bessere Geschichte von Karin Reddemann – ★★★
    Vampirgeschichte, deren Pointe nicht so recht zünden will, weil sie nicht zu der etwas zäh erzählten Vorgeschichte passt.


  • Die Nacht des Kranichs von Nicole Kudelka – ★★★★
    Kurze Geschichte im Stile von „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ mit überraschendem Ende.

Fazit

Alles in allem hat mit das Buch sehr gut gefallen. Perfekt, um es Geschichte für Geschichte abends auf der Couch zu lesen. Einzig die Autoreninfos hätte ich mit direkt im Anschluss an jede Geschichte gewünscht, um nicht ständig blättern zu müssen.

Kaufempfehlung!