Das öde Land von Oliver Plaschka – Rezension

Ich bespreche hier die Kurzgeschichtensammlung Das öde Land und andere Geschichten vom Ende der Welt von Oliver Plaschka.

Vierzehn Geschichten und ein lesenswertes Vorwort finden sich auf 278 Seiten. Bis auf zwei sind alle Geschichten – teilweise in Englisch – bereits an anderer Stelle erschienen und wurden für dieses Buch übersetzt, überarbeitet/korrigiert und als Sammlung neu veröffentlicht. Die Erzählungen bewegen sich im Bereich der Fantasy, Urban Fantasy, und manchmal etwas Science Fiction, sind aber oft so angelegt, dass sie auch in einem anderen Setting funktionieren würden.

Bereits das Vorwort macht Lust auf Kurzgeschichten, die heutzutage leider keinen hohen Stellenwert mehr genießen. Damit kam beim Lesen die Erinnerung an klassische Sammlungen z.B. von Edgar Allen Poe auf und in diesem Lichte kann man „Das öde Land“ durchaus betrachten. Es finden sich z.B. Reiseberichte, wie sie Poe oder Lovecraft geschrieben haben. Generell nimmt einen der Autor mit seinen Geschichten mit um die Welt: Frankreich, Amerika, Norwegen, Südsee, Karibik. Oliver Plaschka scheint überall zu Hause.

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Bild © Verlag Torsten Low

Was sofort auffällt ist Plaschkas guter, flüssiger Schreibstil, dem man die Jahre an Erfahrung, die der promovierte Anglist während seines Studiums und in Creative Writing Groups gesammelt hat, anmerkt. Hier ist jemand in der Lage so zu schreiben, dass man versteht, was geschieht, obwohl der Erzähler dies nicht explizit erwähnt. Die Geschichte baut sich vielmehr nach und nach aus einer Vielzahl von Details in den Dialogen und Anmerkungen des Erzählers im Kopf des Lesers auf. Äußerst geschickt verwebt Plaschka vordergründige Handlungsstränge mit der Geschichte, die er eigentlich erzählen will, und die nur in den Zwischentönen durchscheint.

Für Freunde der Melancholie

Die Stimmung aller vierzehn Kurzgeschichten ist melancholisch. Plaschkas Hauptfiguren – nicht selten weiblich – erinnern sich an Verlorenes oder sehen Schrecklichem entgegen. Plaschkas Helden sind dabei aber keine Problemlöser. Vielmehr erzählt der Autor von Menschen und ihren häufig doch sehr außergewöhnlichen Problemen, wie sie damit umgehen, und was sie dabei fühlen. Aber selten wird das Problem vom Protagonisten auch gelöst.

Vieles bleibt unerzählt, was ein wenig schade ist, denn als Leser würde einen das ein oder andere Detail doch interessieren, z.B. was „er“ bei der Geschichte „Die Insel“ denn nun auf See erlebt hat, wie er seine Hand verloren hat, etc. Manche Geschichten sind deshalb nach einmaligen Lesen nur schwer oder gar nicht zu verstehen, z.B. „Die Frau, der Magier, seine Katze und deren Geheimnis“. Der Autor möchte seinen Lesern hier größtmöglichen Freiraum zur Interpretation bieten, riskiert aber bei faulen Lesern – wie mir -, dass sie manchmal etwas ratlos zurückbleiben.

Erschreckend

Zum Abschluss noch eine kleine erschreckende Anekdote. Beim Lesen einer Geschichte, die die letzten Momente eines Bergsteigers gefangen in einer Gletscherspalte beschreibt, lief im gleichen Moment eine Szene des Dramas „Everest“ im Fernsehen, in der ein im Eis liegender, sterbender Bergsteiger letzte Worte mit seiner Frau wechselt. Zufall? Auf alle Fälle ein Moment, in dem man als Leser das Buch zuklappt und sich vorsichtig im heimischen Wohnzimmer umschaut. 😀

Exemplarisch möchte ich die nachstehenden drei Geschichten nennen, die mir am besten gefallen haben:

  • Der Fall des verwunschenen Schädels (Sherlock-Holmes-Geschichte aus anderer Perspektive mit schöner Voodoo-Recherche)
  • Die kreisende Schwärze (Ein an Lovecraft erinnernder Reisebericht im Weltall)
  • Jenseits der Mauer des Morgens (sehr kurz, mit überraschendem Ende)

Fazit

Das öde Land von Oliver Plaschka ist ein tolles Buch, von dem sich vor allem literarisch interessierte Phantastik-Freunde angesprochen fühlen sollten, denn der Autor gibt seinen literarischen Anspruch hier an seine Leser weiter.