Armatin – Die Orlasier

ARMATIN – Die Orlasier

Das Science-Fiction-Buch „Armatin – Die Orlasier“ von Mathias Leopold hat bei mir einen eher durchwachsenen Eindruck hinterlassen. Eine Space Opera, die sich zu deutlich an Star Trek orientiert und die sich in zu vielen Details und Handlungssträngen verliert.

Der Autor

Autor Mathias Leopold hat sich ganz der von ihm geschaffenen Welt Armatin verschrieben, an der er seit Jahren feilt und in der, wenn ich es richtig verstanden habe, alle seine Bücher und Kurzgeschichten spielen.

Die Story

Captain Norrak Mesch wird ausgesandt, um die Ursprünge der Orlasier zu ergründen, einem Volk der „Gemeinschaft“. Diese „Gemeinschaft“ erinnert dabei ungemein an die „Föderation“ aus Star Trek: eine Ansammlung diverser Völker, die allesamt zur interstellaren Raumfahrt fähig sind.

Nachdem Mesch erste Erfolge bei der Suche erzielt hat, tritt ein mysteriöser Gegner auf den Plan und ein neues Volk wird entdeckt, die Neu-Orlasier. Man fragt sich, warum dieses Volk nicht bereits früher entdeckt wurde, wenn doch alle quasi wie mit dem Auto zwischen den Sternen hin und her düsen können.

Keine Science in dieser Fiction

Leider gibt es keine „Science“ bei dieser Science-Fiction-Geschichte, sondern nur fantastische Technologien, die auf unerklärte Art und Weise funktionieren. Leider, wie zu oft bei Space Operas, haben wir es hier mit Fantasy im Weltall zu tun. Ich hätte mir mehr technischen oder wissenschaftlichen Hintergrund gewünscht – oder zumindest den Versuch davon.

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Obwohl es im Buch einige interessante Ideen gibt, sind die meisten Dinge doch althergebrachte SciFi-Standards, die einfach neu aufgegossen werden. Es gibt unzählige Völker von diversen Planeten, die auf wundersame Art und Weise alle Köpfe und Gliedmaßen haben. Man fragt sich, wann sich mal jemand etwas wirklich Neues ausdenkt. Und natürlich spricht jedes Volk nur eine einzige Sprache. Auf der Erde gibt es dutzende verschiedener Sprachen, aber wenn man in Star-Trek-Klon-Universen auf ein neues Volk trifft, kann man sich sicher sein, dass dieses nur eine einzige Sprache spricht und nur eine einzige, planetenweit gültige Kultur hat …

Auf Althergebrachtes zu setzen ist per se nicht verwerflich, aber es sollte doch der Geschichte zuträglich sein. Und genau hier ist der große Knackpunkt: es gibt zu viele Völker, zu viele Figuren, zu viele Handlungsstränge, aber sie sind nicht wirklich notwendig für die Geschichte. Immer wieder habe ich mich gefragt: „Wer war das jetzt schon wieder?“ Man merkt sehr stark, dass der Autor an der von ihm geschaffenen Welt hängt und Unwichtiges nicht über Bord werfen konnte, um die Geschichte zu straffen. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen, denn ein guter Autor ist in der Lage, geliebte Details zu verwerfen und eine gute Geschichte zu erzählen.

Wer ist denn hier bitte die Hauptfigur?

Zurück zur Story: Captain Mesch zieht also aus, um das Geheimnis der Orlasier zu ergründen und die „Quelle der Macht“ zu finden. Und nachdem man sich durch 400 Seiten gekämpft hat, stirbt er einfach – die Geschichte geht aber trotzdem weiter. Himmel, war Mesch denn gar nicht die Hauptfigur mit der ich mitfiebern sollte?

Gelingt es dem Autor zu Anfang noch, Spannung zu erzeugen und den Leser zu fesseln (z.B. als der Trupp in eine antike unterirdische Anlage vordringt), wird die Geschichte später in die Breite gezogen und man fragt sich die ganze Zeit: wann geht es denn jetzt endlich weiter? Unnötige Beschreibungen darüber, wer jetzt wem was sagt und welches Schiff bei welcher Schlacht wo positioniert ist, tragen nicht gerade dazu bei, die Handlung voranzutreiben. Ab der Hälfte habe ich mich immer öfter dabei erwischt, wie ich die Seiten überflogen habe, um zur nächsten Stelle zu gelangen, an der wieder etwas passiert.

Schade

Es ist schade. Denn es gibt gute Ideen im Armatin-Universum: die Orlasier haben keine Augen und orientieren sich mit Sonar. Auf der Brücke der Pulsar steht man mittels Holotechnologie quasi direkt im Weltraum. Es gibt biologische Maschinen, die leben, aber dennoch nur Gegenstände sind. Am besten gefallen hat mir die Idee, dass die Orlasier über insgesamt vier Geschlechter verfügen: männlich, weiblich, neutral und „Tragende“, die die Nachkommen gebären. Die Neutren werden im Text auch konsequent als solche behandelt. So wird aus einem Kapitän das „Kapitänum“ und aus einem Propheten das „Prophetum“. Das hat was.

Das Dilemma der Self Publisher

Schade nur, dass bei den vielen guten Ideen, das Story Telling auf der Strecke bleibt. Hier merkt man das große Dilemma der Self Publisher: es fehlt mit dem Verlagslektorat eine kontrollierende Instanz, die dem Autor sagt, was unverständlich ist (zu viele Völker und Figuren!), wo gestrafft werden muss (bei der Kommunikation auf und zwischen Schiffen!) und wo noch Fehler liegen (bei 40 Rechtschreib- und Grammatikfehlern habe ich aufgehört, mir Notizen zu machen).

Der Schluss

Nachdem ich mich durch mehr als 400 Seiten gekämpft hatte, hört das Buch einfach auf. Die mystische „Quelle der Macht“ wurde gefunden. Aber es findet keine Auflösung statt. Was ist das jetzt für ein Ding? Warum ist es überhaupt wichtig, was kann es? Wofür ist Captain Mesch jetzt gestorben, den ich für die Hauptfigur hielt? Der Versuch eines Cliffhangers, um auf das nächste Buch neugierig zu machen, geht hier gründlich in die Hose, denn er lässt den Leser nämlich nur so zurück: frustriert.

Fazit

Gute Ansätze kommen leider durch mangelnde erzählerische Fähigkeiten nicht zur Geltung. Ein professionelles Lektorat hätte dem Buch gut getan. Die Irritation um die nicht vorhandene Hauptfigur und die fehlende Auflösung lassen den Leser unbefriedigt zurück.

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