Die drei Sonnen von Cixin Liu (Buchbesprechung)

Der Heyne-Verlag hat mit „Die drei Sonnen“ von Cixin Liu einen wahrhaft fantastischen Science-Fiction-Roman im Programm, der nicht nur mit toller Story und fantasievollen Ideen, sondern auch mit einem besonderen Clou überzeugt: er kommt aus China.

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Das hier vorliegende Buch ist das erste von dreien und beschreibt die Begegnung der Menschheit mit einer außerirdischen Zivilisation. Liu wählt dabei aber einen komplett neuen, frischen Ansatz, jenseits der üblichen Sie-kommen-in-Untertassen-Litanei. Ohne zu viel verraten zu wollen sei hier gesagt, dass die Menschheit die Büchse der Pandora öffnet, als sie Signale ins All schickt, daraufhin tatsächlich eine Antwort erhält und dann den Fehler macht, die Außerirdischen zu sich einzuladen.

Einzigartig in der Science-Fiction-Literatur

Was dann geschieht halte ich für einzigartig in der Science-Fiction-Literatur. Denn es findet kein Besuch statt. Keine Invasion. Kein Krieg. Zumindest nicht sofort. Es dauert Jahrhunderte. Man stelle sich selbst die Frage, wie würde man reagieren, wenn man wüsste, dass eine Begegnung mit Außerirdischen sicher ist, man diese aber selbst gar nicht mehr erleben wird.

Die Trisolarier genannten Aliens gehen dabei sehr planvoll und vorausschauend vor. Sie beeinflussen das Leben der Menschen auf subtile Art und Weise. Einigen wird ein Countdown auf die Netzhaut projiziert. Andere werden in den Selbstmord getrieben. All dies dient dem großen Ziel der Trisolarier, das hier nicht verraten wird.

Das Ganze ist spannend geschrieben und mit sehr schöner Recherche angereichert. Sei es das „Drei Körper Problem“ oder Nanotechnologie — alles fügt sich flüssig in die Geschichte ein, ohne dabei wie ein Fremdkörper zu wirken.

„Die drei Sonnen“ quillt nur so über vor fantasievollen Ideen. So wird den Menschen die Kultur der Trisolarier anhand eines Virtual-Reality-Spiels beigebracht. Die Kommunikation mit den Außerirdischen erfolgt mit Lichtgeschwindigkeit, indem die Daten in die Sonne geschossen werden. Nanofäden durchschneiden Fahrzeuge. Usw., usw.

Toller China-Hintergrund

Was all diese Vorzüge aber perfekt abrundet, ist der kulturelle Hintergrund, vor dem alles spielt. Nicht die Amerikaner sind hier die Helden. Nicht die Europäer. Sondern die Chinesen. Und das auf eine derart liebenswürdige Art und Weise, dass man sie gerne knutschen würde.

Einzig die Dialoge seien hier kritisiert, die ein wenig hölzern wirken. Zu viel wird hier erklärt, was dem Gegenüber eigentlich klar sein sollte. Andererseits, vielleicht spricht man so in China. Genauso wie man sich dort anscheinend immer duzt, dabei aber stets Vor- und Nachname nennt. Man stelle sich vor: Du, Hans Meier, ich habe da etwas für dich. – Oh, danke, Herbert Müller, das ist nett von dir …

Liu gelingt es auch, die komplexe Geschichte auf mehreren Handlungs- und Zeitebenen zu verteilen ohne dabei die Story aus dem Auge zu verlieren. Alles ist elegant miteinander verwoben. Herauszuheben sei dabei, dass ein Teil der Geschichte in den 1960er Jahren zur Zeit der chinesischen Kulturrevolution spielt. Das regt gleich zum Googlen an, denn was wissen wir hier in Deutschland schon darüber?

Etwas Kritik muss am Ende aber doch sein: leider wird auch in diesem Roman der Held wieder Thriller-typisch zum Supermann, der vieles kann, was er eigentlich nicht können dürfte. So wird die Hauptfigur Wang Miao, seines Zeichens nerdiger Wissenschaftler, mal eben in den militärischen Außeneinsatz nach Panama geschickt, um dort ein schwer bewachtes Schiff einzunehmen. Aber das ist Kritik auf hohem Niveau. Auf sehr hohem sogar. Nicht umsonst hat dieses Buch den Hugo-Award gewonnen.

Format und Fortsetzung

Update vom 28. August 2017: In einer früheren Version meiner Besprechung stand an dieser Stelle, dass ich die immer wieder vorkommenden unterschiedlichen Zeilenabstände im eBook für Formatierungsfehler hielt. Mittlerweile hat sich der Heyne-Verlag netterweise bei mir gemeldet und erklärt, dass die unterschiedlichen Zeilenabstände absichtlich eingebaut wurden, um inhaltliche Sprünge markieren. An dieser Stelle herzlichen Dank an das Twitter-Team des Heyne-Verlags!

Unterschiedliche Zeilenabstände im eBook
Unterschiedliche Zeilenabstände im eBook

Fortsetzungen

  1. Die drei Sonnen (erschienen)
  2. Der dunkle Wald (ab 11. Juni 2018)
  3. Deutscher Titel noch unbekannt

Verlag: Heyne

Fazit

Fantastischer Science-Fiction-Thriller, der eine komplexe Handlung über mehrere Zeit- und Handlungsebenen ausbreitet, dabei die Geschichte aber nie aus dem Auge verliert. Das Ganze vor interessantem Setting und mit überraschend frischen Ideen.

Absolute Kaufempfehlung!

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