Horror-Magazin Zwielicht 8 – Rezension

Zwielicht 8

Die Macher des Zwielicht-Magazins haben sich dem Erhalt der gepflegten Horror-Kurzgeschichte verschrieben und legen mit Zwielicht 8 bereits die achte Ausgabe ihres Magazins vor. Wobei der Begriff Magazin ein wenig irreführend ist, denn eigentlich handelt es sich um ein ausgewachsenes Buch. Auf über 400 Seiten finden sich 14 Geschichten, ein Vorwort, Artikel und ein Interview mit Jeffrey Thomas, sowie weitere Informationen. Reichlich Lesestoff also, bei dem viele Geschichten mit passenden Illustrationen versehen sind. Meist handelt es sich um Texte aus dem deutschen Original. Lediglich zwei sind Übersetzungen, die bereits anderweitig erschienen sind.

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Der Begriff Horror weckt bei jedem andere Assoziationen. Die vorliegende Sammlung konzentriert sich auf Grusel-Geschichten, die die Vorstellungskraft des Lesers fordern. Blut fließt spärlich und Splatter-Geschichten gibt es überhaupt nicht. Angesprochen fühlen sollten sich Freunde des stilvollen Grauens. Geboten wird entweder klassischer Horror, oder aber fantastisch angehauchte Geschichten, die sich magischer Elemente bedienen, um den Leser zum Gruseln zu bringen.

Für mich persönlich die beste Geschichte ist „Die Trophäe“ von Abel Inkun. Es geht darin um einen karrieregeilen Dämon, der mit traumwandlerischer Sicherheit die falsche Entscheidung trifft, und ist derart spritzig geschrieben, dass sie einen von Anfang an in ihren Bann zieht. Am Ende wartet sie auch noch mit einem überraschendem Schluss auf – perfekt. Neben dieser haben mir am meisten aber die Geschichten gefallen, die keine bis wenig Phantastik enthalten, also eine Situation beschreiben, in die man durchaus selbst geraten könnte. Das wären zum einen „Schützenfest“ von Daniel Huster, und zum anderen „Der Spalt“ von Sascha Lützeler.

Jeder hat andere Vorlieben und ich empfehle euch, mal in Zwielicht 8 reinzuschnuppern. Für jeden ist etwas dabei.

Die Geschichten im Einzelnen

  1. Ken Liu – Laufschuhe
    Phantastischer Horror in eher freundlichem Tonfall mit einem Hauch von Gesellschaftskritik.
  2. Daniel Huster – Schützenfest
    Kurze Geschichte in flüssigem Stil geschrieben, die gefällig vor sich hin plätschert, und mit überraschendem Ende überzeugt.
  3. Erik Hauser – Tante Ellas Männer
    Märchenhafter Grusel, sehr flüssig geschrieben.
  4. Regina Schleheck – Roman
    Mit zweieinhalb Seiten sehr kurz und eher zum Schmunzeln als zum Gruseln.
  5. Sascha Dinse – Endstation
    Ungewöhnliche Geschichte mit origineller Erzählstruktur, aber am Ende etwas unverständlich.
  6. Karla Schmidt – Der Sommer der Tiere
    Hektische Phantasterei in ungelenkem Schreibstil. Eigentlich kein richtiger Horror.
  7. Ellen Norton – Paco
    Merkwürdige Geschichte über Vögel und Menschen, die ständig „schnalzen“. Eigentlich ebenfalls kein Horror.
  8. Sheila Hodgson – Die Villa Martine
    Klassisch angehauchter Horror um ein magisches Buch im Stile von Edgar Allan Poe. Allerdings mit etwas unbefriedigendem Ende, ohne richtige Auflösung.
  9. Abel Inkun – Die Trophäe
    Spritzige Geschichte, angesiedelt in der christlichen Mythologie mit überraschendem Ende.
  10. Michael Schmidt – In Trace
    Geschichte in einer heruntergekommenen Stadt mit schnoddrigem Helden, der sich der Magie bedient, um seine Ziele zu erreichen. Mit fantasievoller Darstellung der Magie und ungewöhnlicher Benamung der Figuren (z.B. „Pfefferminz“)
  11. Sascha Lützeler – Der Spalt
    Eine wahrhaft schaurige Geschichte, die beinahe vollkommen ohne fantastische Elemente auskommt. Eine Situation, in die man nicht selbst geraten möchte.
  12. Sven Lenhardt – Slow-Dating in Stockholm
    Fängt spannend an, verliert sich dann aber in wirren Gedankensprüngen der psychopathischen Hauptfigur.
  13. Felix Woitkowski – Lebensfahrt
    Etwas unverständliche Geschichte über einen Totengräber, der langsam verrückt wird, viele Bücher liest und häufig „Oh“ sagt.
  14. Algernon Blackwood – Der Hund im Camp
    Mit 113 Seiten die längste Geschichte und eigentlich schon eine Novelle. Hier gibt es value for money. Es geht um einen Geisterjäger.

Fazit

Reichlich Lesestoff für Freunde der gepflegten Gruselgeschichte ohne Splatter-Elemente. Perfekt für verregnete Nachmittage auf der Couch, bei denen man den Blick vorsichtig nach draußen richtet und sich fragt, ob die Welt wirklich so sicher ist, wie man immer geglaubt hat.

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