Die Orks von Stan Nicholls – Rezension (Hörbuch)

Ich habe versucht, mir  „Die Orks“ zu Gemüte zu führen, musste aber nach einem Viertel abbrechen – es hat mir schlicht und einfach nicht gefallen. Dementsprechend kann ich mir hier natürlich keine Meinung über das ganze Buch erlauben. Aber ich bezweifle, dass es irgendwann besser geworden wäre. Ich hätte mir die Rezensionen auf Amazon mehr zu Herzen nehmen sollen. Glücklicherweise kann man Hörbücher bei Audible sehr einfach umtauschen.

Meine Hauptkritikpunkte sind die, die man auch in den vielen Rezensionen bei Amazon und Audible findet. Das Buch ist eigentlich nichts anderes als eine Aneinanderreihung von Gefechtsszenen, aus der die titelgebenden Orks natürlich stets als Sieger hervorgehen. Rein in die Schlacht, raus aus der Schlacht und dazwischen jede Menge Beschreibungen, wer, wo, wie sein Schwert bewegt. Löblich auszunehmen ist dagegen die Darstellung einer Beinamputation eines Verwundeten, die wenigstens zeigt, dass nicht für alle so glatt läuft. Allerdings ist diese Szene ziemlich ekelhaft und der Amputierte bekommt auch gleich sein Bein zum Fraß vorgesetzt.

Das sind gar keine Orks

Was aber viel schwerer wiegt, ist, dass Nicholls eigentlich kein Buch über Orks geschrieben hat. Ja, er nennt sie Orks, aber er beschreibt eigentlich Menschen. Sie reden wie Menschen, sie verhalten sich wie Menschen, sie sind wie Menschen organisiert, ja, sie sind sogar menschlich wie Menschen, wenn sie z.B. einen Säugling netterweise nicht töten oder sich selbst überlassen, sondern – natürlich unter Gefahren für Leib und Leben – den Menschen, deren Verwandte sie gerade noch abgeschlachtet haben, zurück bringen. Damit dem armen Baby auch ja nichts passiert. Nett, diese Orks.

Erhältlich bei Amazon:
(Bild © Piper Verlag)

Als Hörbuch:
(Bild © Piper Verlag)

Nichts macht aus den Figuren in diesem Roman Orks. Der Autor hätte ja alle Freiheiten gehabt. Er hätte sie z.B. wie bei Tolkien in Höhlen hausen lassen können. Aber nein, bei ihm wohnen sie in Langhäusern. Das sind eher Wikinger, keine Orks. Er hätte sie wild und ungezügelt machen können. Aber nein, sie sind diszipliniert und organisiert.

Die interessanteste Figur bei „Die Orks“ ist dann auch tatsächlich ein Zwerg. Ein Abtrünniger, der zusammen mit den Orks gegen Menschen und auch gegen Zwerge kämpft. Der Rest der Truppe ist glatt und vorhersehbar und auf keine Art und Weise irgendwie orkisch.

Irgendwann tritt dann auch noch ein Gremlin auf. Gremlins? Die aus dem Film? Wahrscheinlich. Schaut man ins Wörterbuch, dann wird Gremlin mit Kobold übersetzt. Kobolde tauchen aber durchaus im Buch auf. Was ist denn dann ein Gremlin? Auch ein Kobold, nur falsch oder gar nicht übersetzt? Und wenn der Autor tatsächlich die Gremlins aus dem Film meinte, was kommt dann noch? Die Simpsons? Batman? Ich werde es nicht herausfinden, denn ich habe ja abgebrochen.

Einzig positiv zu erwähnen ist der Sprecher des Hörbuches. Erik Schaeffler macht seine Sache sehr gut. Lediglich manchmal will er zu viel und spricht mit so tiefer Stimme, dass es ein wenig an das Krokodil aus dem Kasperle-Theater erinnert. Aber sonst gut. Und wer hier mitliest, weiß wie kritisch ich sonst gegenüber Hörbuchsprechern bin.

Erhältlich bei Amazon:
(Bild © Piper Verlag)

Fazit: Leider überhaupt keine Empfehlung, außer dem Sprecher. Aus „Die Orks“ hätte der Autor viel mehr machen können, ja, machen müssen. Was für eine Vorlage! Und was für eine schwache Umsetzung. Ich empfehle deshalb die Orks von Michael Peinkofer.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.