Das Objekt von John Sandford – Rezension (Hörbuch)

Das Objekt

Ich bespreche hier die Hörbuchumsetzung von John Sandfords „Das Objekt“. Endlich, endlich wieder ein Buch, das mir so richtig gut gefallen hat! Sogar mit dem Hörbuch bin ich zufrieden, obwohl ich da ja wirklich anspruchsvoll bin. Ich hab es wie immer von Audible bezogen.

Das Buch

Erhältlich bei Amazon:
(Bild © Piper Verlag)

Die Geschichte ist richtig gut. Ich fand sie interessant, spannend und nie langweilig. Hier ist ein Schriftsteller am Werk, der sein Handwerk versteht, der weiß, wie man lebendige, glaubwürdige Figuren schafft und sie in einen Plot setzt, der den Leser fesselt. Bei keiner der Figuren hatte ich das Gefühl, dass sie unecht wirkt. Ja, es gab Figuren, die mich genervt haben, z.B. die ach so taffe Captain Naomi Fang-Castro – aber auch wenn sie mich genervt hat, wirkte sie echt.

Die technischen Hintergründe, auf denen die Geschichte aufbaut, wirken gut recherchiert und werden dem Leser verständlich näher gebracht. Wieviel davon realistisch ist, kann ich nicht beurteilen, da ich mich mit Raumfahrttechnologie nur bedingt auskenne.

Geschichte und Figuren werden langsam aufgebaut, was zuerst etwas zäh ist, sich später aber auszahlt. Ohne zu viel verraten zu wollen geht es darum, dass ein außerirdisches Objekt am Saturn entdeckt wurde und die Amerikaner sich ein Wettrennen mit den Chinesen dort hin liefern. Es bleibt aber nicht bei dem Rennen an sich, sondern das Objekt selbst beinhaltet Überraschungen, mit denen man so nicht rechnen würde. Wie nun Motörhead da rein passen, muss jeder selbst heraus finden. 😀 Selbst nach der Erkundung des Objekts nimmt die Geschichte noch einen spannenden Verlauf. Gegen Ende wird es wieder etwas zäh, aber einige offene Punkte der Geschichte müssen eben noch aufgelöst werden. Etwas schlecht finde ich hier, dass es etwas zu rund läuft für die Amerikaner. Ich hätte erwartet, dass die Chinesen hartnäckiger sind, aber irgendwie lassen sie sich am Ende die Butter vom Brot nehmen.

Schlechte Übersetzung

Leider wurde „Das Objekt“ nur mangelhaft aus dem Englischen übersetzt. Teilweise wurden Wörter einfach gar nicht übersetzt, das grenzt schon an Arbeitsverweigerung. Da checkt Sandy die Settings an seinem Recording-Equipment, oder man sieht das Image des Raumschiffs auf dem Bildschirm, der manchmal einfach auch nur Screen genannt wird.

What is a Rundtripp?

Oder es wird einfach falsch übersetzt, was ich sogar viel schlimmer finde. Aus dem round trip macht die Übersetzerin einen „Rundtripp“. In der chinesischen Besatzung wird ein Mitglied mit dem englischen „Ms.“ angesprochen – Chinesen würden das sicher nicht machen. Und wenn man den Text aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt dann sollte schon da „Fr.“ stehen und nicht „Ms.“ Auch ist es fragwürdig, ob die Chinesen englische Namen für ihre Raumschiffe wählen würden. Wenn die im Originaltext schon englisch sind, dann hätten die wenigstens mit dem restlichen Text auf Deutsch übersetzt werden müssen, so dass in jeder Sprache der Name des Raumschiffs jeweils die Übersetzung des chinesischen Originals ist.

Einen dritten Fehler haben wir noch, nämlich die unpassende Übersetzung. Aus trajectory macht die Übersetzerin die Trajektorie, was per se nicht falsch ist, aber unpassend und ungewöhnlich. Die Leute an Bord würden wohl eher Flugbahn oder Kurs sagen und nicht Trajektorie.

Und warum wurde der englische Titel „Saturn Race“ mit „Das Objekt“ übersetzt? Das ist wahrscheinlich den lokalen Marktbedingungen geschuldet, denn seit John Grisham heißen hier alle Romane nur noch „Der/Die/Das Irgendwas“.

Guter Sprecher

Wer meine Hörbuchrezensionen hier kennt, weiß, dass ich sehr empfindlich bin, wenn es um die Sprecher geht. Hier ist mit Oliver Siebeck endlich mal ein guter Sprecher am Werk. Er wirkt ruhig und unaufgeregt. Manchmal sogar etwas zu unaufgeregt, denn gerade am Anfang klingt er hin und wieder so, als ob er betonen wolle, wie wenig ihn das alles hier anginge. Dieses Verhalten wird aber im Laufe des Hörbuchs besser, also Schwamm drüber.

Anfangs hat er noch die merkwürdige Eigenart, lange Sätze – ohne dabei Luft zu holen – Silbe für Silbe in gleicher Geschwindigkeit, aber mit unterschiedlicher Betonung, wie ein einem Vier-Viertel-Takt beinahe zu „singen“. Später wird das besser. Es scheint so, als ob die Regie irgendwann eingegriffen hätte.

Jaja, die Frauenstimmen…

Wenn es zu Frauenstimmen kommt, dann hat Oliver Siebeck leider das gleiche Problem, wie alle männlichen Hörbuchstimmen, die ich hier besprochen habe: Frauenfiguren werden immer gehaucht, geflüstert, klingen ängstlich, zärtlich und seufzen prinzipiell, wenn sie reden. Ich glaube, für mein nächstes Hörbuch wünsche ich mir eine Vorleserin, keinen Vorleser mehr. Ich kann mir gut vorstellen, dass die das ohne Klischees hinbekommen.

Aber nicht falsch verstehen, alles in allem, ist der Sprecher ziemlich gut, mir hat es gut gefallen. Oliver Siebeck schafft es, die verschiedenen Charaktere mit nur in Nuancen unterschiedlichen Stimmen Leben einzuhauchen, ohne dabei zu versuchen, ein Ein-Mann-Hörspiel zu erschaffen, in dem er auf Teufel komm raus jeder Figur eine einzigartige Stimme geben muss.

Kleine Abstriche bei der Produktion

Die Produktion weist ein paar kleinere Mängel auf. Nervige Atemgeräusche wurden z.B. nicht entfernt – und das stört wirklich. Und in der zweiten Hälfte klingt die Stimme des Sprechers plötzlich anders. Anscheinend ein Wechsel der Aufnahmebedingungen (Sprecher weiter Weg vom Mikro oder anderer Raum oder anderes Mikro). Kleinigkeiten.

Kaufempfehlung!

Fazit: „Das Objekt“ hat mir sehr gut gefallen. Die oben genannten Mängel sind allesamt Kritik auf hohem Niveau. Klare Empfehlung: Kaufen! Das lohnt sich echt. Sogar die Hörbuchumsetzung ist trotz der genannten Abstriche empfehlenswert. Wer mir nicht glaubt, möge meine anderen Hörbuchrezensionen hier lesen – da war ich deutlich weniger gnädig. Aber immer ehrlich 😀

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